Das Omnivoren-Dilemma von Michael Pollan

Eines meiner Lieblingsbücher über die Lebensmittelindustrie, und auch heutzutage hochaktuell:

Michael Pollan – Das Omnivoren-Dilemma

Wie sich die Industrie der Lebensmittel bemächtigte und warum Essen so kompliziert wurde

Lebensmittelindustrie

Michael Pollan befasst sich in seinem gut 600 Seiten umfassenden Buch mit der Lebensmittelindustrie und deren Auswirkungen. In deutscher Erstausgabe 2011 erschienen, 5 Jahre nach der amerikanischen Originalausgabe, nimmt die Aktualität meiner Meinung nach eher zu als ab.

Omnivoren-Dilemma

Das Dilemma der Omnivoren („Allesfresser“) liegt nach Pollan darin, dass er eben alles bzw. vieles „fressen“ kann, jedoch die ursprünglichen Sicherheitsmaßnahmen nicht mehr funktionieren.

Falsche Ernährung führt nicht mehr zu rasch eintretenden negativen Erfahrungen wie Magenschmerzen o.ä., sondern u.U. erst nach Jahren zu gesundheitlichen Problemen; von ökologischen Schäden ganz zu schweigen.

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Michael Pollan

Tiermast

Am Beispiel eines Kalbs, das er mästen lassen will, erklärt Pollan die Mechanismen und Problematiken der industriellen Tiermast. Eng damit verbunden, und praktisch eine der Grundlagen der Lebensmittelindustrie, ist die us-amerikanische Maisindustrie.

Aus, auf Kosten der Bauern, spottbillig eingekauftem Mais werden die Zutaten der modernen Lebensmitteltechniker hergestellt. Aber seit wann essen Rinder Mais? U.a. diese Frage und v.a. die schockierenden Folgen klärt Michael Pollan auf sehr lesenswerte Weise in seinem Buch. Danach versteht man, warum „grain fed beef“ eigentlich kein Qualitätsmerkmal sein sollte, im Gegenteil …

Öko?

Pollan differenziert zwischen der nachhaltigen Landwirtschaft und der „Ökoindustrie“. Die sinnvolle Öko-Bewegung wurde schnell, das erkennt man bei einem kurzen Blick durch den Supermarkt, „verindustrialisiert“. Vermutlich als Gefahr erkannt, spannte die Industrie das Label „Öko“ vor den eigenen  Karren.

Lobbyisten verhinderten bzw. verwässerten Ökostandards, um die Auswirkungen auf die Lebensmittelindustrie zu verhindern bzw zu minimieren. Es entstand eine eigene „Öko-Industrie“.

Beispiel USA

Zwar bezieht sich Pollan natürlich in seinem Buch auf die USA, da aber diese internationalen Großkonzerne auch bei uns aktiv sind und ihre Produkte in den Supermarktregalen stehen haben, sind seine Erkenntnise auch für uns relevant.

Maissirup – high fructose corn sirup

Maissirup, oder auch Glucose-Fructose-Sirup, findet sich in vielen industriellen Lebensmitteln, wie auch zahlreiche andere, aus Mais hergestellte Zusatzstoffe. Daher scheint Pollans provokante Aussage, dass wir neben Wasser nur aus Mais bestehen, durchaus plausibel.

Nachhaltige Landwirtschaft

Pollan berichtet aber auch über hoffnungsvolle Alternativen und räumt, beispielsweise  was die Produktivität angeht, mit einigen Mythen auf.  In Filmen wie „Cowspiracy“ oder auch „Food, Inc.“, welcher auf Grundlage dieses Buches entstand, spiegeln sich seine Ansichten wieder.

Fazit

600 Seiten lesenswertes über Ernährung und die Lebensmittelindustrie – ohne die Moralkeule des Klischee-Veganers – ich kann das Omnivoren-Dilemma nur weiterempfehlen und jedem wärmstens ans Herz legen.

Wer wissen will, warum wir aus Mais bestehen und warum Gülle in den USA Sondermüll ist: kaufen!

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